10.06.2020

Freibad Jahnsdorf – eine Rückblick auf die vergangene Dekade

Als zu Pfingsten im Jahr 2010 die Gemeinde Jahnsdorf beim MdR-Triathlon, welcher an vier Tagen mit vier Disziplinen durch drei ostdeutsche Bundesländer zog, als sächsische Vertretung an den Start ging, ahnte noch keiner, dass damit ein neues Zeitalter für das Jahnsdorfer Freibad angestoßen werden sollte. Zuvor hatte man sich in einem Onlinevoting als sächsisches Freibad gegen zahlreiche Konkurrenz qualifizieren können. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine enorme Unterstützung in der Bevölkerung unserer Gemeinde, was sich letztlich an dem Ergebnis der Onlineabstimmung zeigte. Die vier Wettkampftage, welche mit prominenter Unterstützung aus dem MdR-Rundfunk und Fernsehen für das Team Sachsen zunächst erfolgreich starteten, konnten im Finale in Leipzig jedoch nicht zum gewünschten Ziel führen – die Edelstahlbreitwellenrutsche ging leider nicht an unser Freibad. 

Jedoch haben wir in diesen Tagen viel mehr gewonnen, als wir anfangs erkämpfen wollten – nämlich eine sehr hohe positive mediale Aufmerksamkeit für unseren Ort und unser Freibad sowie einen enormen Zuspruch innerhalb der eigenen Bevölkerung. Nur wenige Wochen später konnten dann beim Rutschfest knapp 10.000 € erzielt und davon schlussendlich doch noch eine Edelstahlrutsche bestellt werden. 

Materiell stand sie dann da, die neue Rutsche – aber auch ideell hatten wir viel erreicht. Die Diskussion um eine Komplettsanierung des Freibads wurde in der Folge zwar intensiv geführt, der infolge dessen durchgeführte Bürgerentscheid sprach dann aber Bände. Eine deutliche Mehrheit sprach sich für die knapp 1,5 Millionen Euro teure Sanierung aus und auch das Quorum von 25% Beteiligung wurde deutlich überschritten.

Parallel waren die ersten Orientierungen und Besichtigungen hinsichtlich möglicher Sanierungsvarianten aufgenommen worden bevor sich dann eine intensive Planungsphase anschloss. Nicht leicht viel damals die Entscheidung, die ehemaligen 50m-Bahnen gegen die aktuelle Variante einzutauschen. Aber nicht nur die verhältnismäßig hohen Investitionen sondern vielmehr die Folgekosten zur Betreibung einer derart großen Wasserfläche hielten uns von der „Maximalvariante“ ab. Konnte doch damals auch noch keiner ahnen, dass wir unsere durchschnittlichen Badegästezahlen verdreifachen, im Rekordjahr sogar vervierfachen werden. Noch vor Ablauf der Badsaison 2012 begannen dann im August bereits die ersten Arbeiten und ein herausforderndes Jahr Bauzeit schloss sich an. Wünsche und Ideen kamen hinzu und wurden umgesetzt, andere wieder verworfen. So sollte neben der Komplettsanierung des Beckens und der Außenanlagen sowie der Errichtung eines Technikgebäudes dann auch noch ein Trakt für Umkleiden, Duschen, Bademeister und Kasse neu entstehen. Damit dies realisiert werden konnte, wurde sich innerhalb des ersten Bauabschnittes erneut auf das Einwerben von Fördermitteln konzentriert. Es gab zwar letztlich nicht den ganz großen Wurf an Förderung aber auch mit den „kleineren finanziellen Zutaten konnten wir ein hervorragendes Ergebnis backen“.

Als wir Anfang August 2013 zur Eröffnung des sanierten Bades den ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten, Herrn Stanislav Tillich, bei uns begrüßen durften, erstrahlte die gesamte Anlage zwar schon in einem tollen neuen Glanz, was uns und insbesondere eine Gemeinderätin nicht daran hinderte, dem Ministerpräsidenten ein Versprechen für eine neue Großrutsche für unser Bad zu entlocken. 

Weitere 4 Jahre dauerte es dann, bis sich auch dieses Vorhaben anschickte, realisiert zu werden. Mit Unterstützung des Umweltministeriums, in dessen Zuständigkeit die Koordinierung der entsprechenden Fördermittel lag, konnte ein bewilligungsreifer Antrag formuliert und umgesetzt werden. Kein geringerer als der Olympiasieger im Rennrodeldoppelsitzer 1976 Hans Rinn aus dem benachbarten Thüringen konnte für unsere Idee einer etwas „anderen“ und besonderen Rutsche gewonnen werden und sich auch wirtschaftlich gegen Angebote unter anderem von schweizer Herstellern durchsetzen. Quasi als Unikat hat er diese Rutschenkombination für Jahnsdorf geplant und hergestellt. Seit der Saison 2018 schmücken nunmehr zwei attraktive Großrutschen unser ohnehin schon beliebtes Freibad. Und diese Saison sollte zunächst auch erstmal den Höhepunkt in puncto Badegäste darstellen; mehr als 43-tausend Badegäste in einer Saison, davon knapp 2000 als Tagesrekord, Einnahmen in Rekordhöhe, 118 geöffnete Tage, knapp 370 Besucher im Tagesdurchschnitt aber auch ein Bad an der absoluten Belastungsobergrenze sowohl das Personal als auch Technik und Gelände betreffend!

 

Im Herbst 2019 kam dann die eher nicht ganz freiwillige Entscheidung unsererseits, die Badbetreibung ausschreiben zu wollen, da sich die Personalsituation radikal verändert hatte. Nach anfänglich vielen Interessensbekundungen, hagelte es dann reihenweise Absagen, da auch die potentiellen Betreiber keine Aussicht hatten, die Personalsituation in den Griff zu bekommen. Umso erfreuter waren wir dann, mit der Badbetreiber Erzgebirge (BBE) einen kompetenten Partner in Aussicht zu haben. Carsten Dietzsch als Geschäftsführer der BBE – bereits ein bekannter und langjährig Erfahrener aus dem Geschäft der Badbetreibung – stellte uns sein Geschäftsmodell als „Start up“ vor. Nachdem inhaltlich, strategisch und vor allem wirtschaftlich alle Absprachen zu einem für beide Partner vertretbaren Ergebnis geführt waren, kam Mitte März Corona. Die Unsicherheiten zur Gefahr, Ausbreitung und Zukunftsperspektive dieser Pandemie ließen die endgültige Entscheidung nicht nur zeitlich vertagen, sondern auch um einiges schwieriger und riskanter machen. Mit einer Mehrheitsentscheidung erteilte der Gemeinderat schlussendlich aber gegen einige Zweifler die Zustimmung zum Vertragsschluss – die Alternative, das Bad definitiv in der Saison 2020 geschlossen zu lassen, war dann eben doch keine.

 

Und genau wie vor 10 Jahren stoßen wir damit das Tor auf für eine neue Epoche Freibadgeschichte in Jahnsdorf. Erstmals haben wir die Verantwortung zum Badbetrieb in die Hände eines privaten Betreibers gelegt und zwar in der Hoffnung und Überzeugung, dass dieser das mindestens genauso gut beherrscht wie die öffentliche Hand. Somit können wir auch die Freibadsaison 2020 pünktlich und im gewohnten Leistungsumfang eröffnen. Wir, die Badbetreiber Erzgebirge und die Gemeinde Jahnsdorf freuen uns auf viele zufriedene Badegäste und eine tollen Sommersaison.