05.02.2020

Anspruchsvolles Hobby Imkerei

Anspruchsvolles Hobby Imkerei

Bienenhaltung ist eine ernsthafte Sache. Wer damit beginnen möchte, sollte sich nicht von Berichten über das »Bienensterben« leiten lassen. Das oft bemühte Thema wird oft falsch verstanden. Insektensterben beschreibt dieses Arterhaltungsproblem besser. 

 

Verluste von Bienenvölkern können mit gezielten Maßnahmen durch den Imker ausgeglichen werden. Sterben dagegen Wildbienen, ist es schwierig, eine Art zu retten oder zu erhalten. 

 

Voraussetzungen für eine Bienenhaltung

Die Bienenhaltung ist eine sehr an­spruchsvolle Freizeitbeschäftigung, die ein hohes Maß an Verantwortung und Wissen über die Bienen voraussetzt und einige Zeit in Anspruch nimmt. Der Bienenhalter ist in der Pflicht, die Bienen so zu halten, dass Bienenkrankheiten frühzeitig erkannt und eine Ansteckung anderer Bienenvölker ausgeschlossen werden kann. Unzureichendes Wissen und unsach­gerechte Haltung führen nicht nur zu Misserfolg in der Bienenhaltung, sondern ge­fährden auch andere Bienenstände. 

Wer die Absicht hat mit der Bienenhaltung zu beginnen, sollte einen dafür geeigneten Lehrgang besuchen. Das hier erlangte Wissen ist Voraussetzung für einen erfolgrei­chen Einstieg in die Hobbyimkerei.

Lehrgänge vermitteln das erforderliche Grundwissen und geben einen Einblick wie aufwendig und umfangreich eine Bienenhaltung ist. In diesen Lehrgängen wird auch vermittelt, welche Grundausstattung erforderlich ist. Neben neuwertigem Imkermaterial sollte in jedem Fall auch zweckmäßige Fachliteratur zur Erstausstattung gehören. 

Bei der Wahl des Lehrgangs sollte darauf geachtet werden, dass er von erfahrenen Imkern durchgeführt wird und neben der Theorie auch einen ausreichenden Praxisteil beinhaltet. Das alleinige Aneignen von Informationen über das Internet ist völlig unzureichend. Ein Online-Imkerkurs ersetzt nicht die Teilnahme an einem Lehrgang mit Praxisteil.

Die deutschen Imkervereine sind besorgt über die steigende Zahl an Hobby- Bienenhaltern ohne ausreichendes Fachwissen.

 

Bienenvölker kaufen: Hände weg vom Online Handel

Wer Bienenvölker oder Kunstschwärme kaufen möchte, muss darauf achten, dass eine gültige Amtstierärztliche Bescheinigung (Gesundheitszeugnis) für diese Bienen ausgehändigt wird. Diese Bescheinigung bestätigt, dass die Bienen gesund sind und nicht aus einem Gebiet stammen, in dem anzeigepflichtige Bienenseuchen zum Ausbruch gekommen sind. Beim dem pflichtgemäßen Anmelden der Bienen bei der Veterinärbehörde ist dieses Gesundheitszeugnis unaufgefordert vorzulegen.

 

Im Internet und in der Fachpresse tauchen immer wieder Anzeigen zum Verkauf von Bienenvölkern auf. Es geht dabei um Kunstschwärme, die im Paket verschickt werden, sogenannte Paketbienen. Aber auch Bienenvölker werden hier angeboten. Vor dieser Bezugsquelle von Bienen wird gewarnt.

Bienenvölker, die im Internet oder auch über Anzeigen in der Fachpresse zum Kauf angeboten werden, entstammen nicht immer  zuverlässigen Quellen. Die Herkunft der angebotenen Bienen ist hier nicht eindeutig nachvollziehbar. Nicht selten stammen die Bienen aus dem Ausland. Der Deutsche Imkerbund und die Länderinstitute für Bienenkunde warnen vor Bienenimporten aus dem Ausland.

Grundsätzlich birgt jeder Import von Bienen aus dem Ausland die Gefahr des Einschleppens neuer Krankheiten. Besonders gefährlich ist der Kleine Beutenkäfer, ein aus Afrika stammender Parasit, der mittlerweile in Italien verbreitet ist. Er hat sich in Calabrien ausgebreitet und dafür gesorgt, dass hunderte Bienenvölker getötet werden mussten. Mit dem Kauf von Bienen über das Internet kann der Schädling auch zu uns gelangen. Das würde bedeuten, dass in den betroffenen Bienenständen sämtliche Völker getötet werden müssten.

Bei dem Bezug von Bienen über das Internet ist eine eindeutige Zuordnung des Gesundheitszeugnisses nicht immer gewährleistet. Häufig fehlt das Gesundheitszeugnis und muss vom Käufer nachgefordert werden. 

 

Der aktuelle Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut in Chemnitz ist der Tatsache geschuldet, dass Bienen aus dem Internet bezogen wurden. Das Gesundheitszeugnis bescheinigte zunächst, dass die gelieferten Bienen gesund sind. Die nur kurze Zeit nach der Lieferung erfolgte Feststellung der Bienenseuche lässt jedoch vermuten, dass die verschickten Bienen tatsächlich nicht untersucht wurden. 

 

Zur Vermeidung der Einschleppung von Krankheiten, sollten Bienen nur regional aus einheimischen Quellen bezogen werden. Die Herkunft sollte klar und transparent sein.

 

Das Geschäft mit den Bienen

Vorsicht ist bei Spendenaufrufen zur Förderung der Bienenhaltung oder für Bienenprojekte geboten. Hier sollte gründlich geprüft werden, bevor man sich zu einer Spende entschließt, wofür das Geld verwendet wird und ob es tatsächlich dem Erhalt der Bienen dient.  

 

Es werden auch Bienenpatenschaften angeboten, bei denen der interessierte Bienenliebhaber für ein Bienenvolk einen Beitrag bezahlt, welches vom Imker betreut wird. Er kann wählen, ob er dieses Bienenvolk regelmäßig besuchen möchte oder ob es bei ihm aufgestellt wird. Anteilmäßig erhält der Bienenpate Honig von diesen Bienen. Es sollte auch hier vor Abschluss einer solchen Patenschaft geprüft werden, ob der Patenbeitrag angemessen ist und wofür dieser Beitrag verwendet wird. Ein gewissenhafter Imker wird sich seine Bienenhaltung nicht von anderen bezahlen lassen.

Die Anzahl an Bienenvölkern ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Der dringende Schutz, gilt eher den Wildbienen und anderen Insekten als unserer Honigbiene. 

 

„Bienen retten“

Unter „Bienen retten“ ist nicht das übereilte Aufstellen eines Bienenvolkes im Garten zu verstehen, das dann sich selbst überlassen wird. Bienenvölker sind keine Selbstversorger. 

 

Wer unsere Honigbienen unterstützen will, kann das mit geringem Aufwand tun. Das bewusste Anpflanzen von Blühpflanzen im Garten oder auf dem Balkon, ein nicht zu häufiges Rasenmähen, der Verzicht von jeder Art von Pflanzenschutzmitteln im Garten, das Aufstellen von Tränken sowie das Pflanzen von Blühsträuchern statt Koniferen sind einige Maßnahmen, die sowohl den Honigbienen als auch den Wildbienen nützen.

Mit dem Kauf von Honig direkt vom Imker wird die Bienenhaltung in Deutschland unterstützt und der Käufer bekommt qualitativ hochwertigen Honig. 

Wer sich für die Bienenhaltung entschließt, sollte sich bei den Landesverbänden der Imker oder den Bieneninstituten informieren. Hilfreich ist auch die Mitgliedschaft in einem Imkerverein. Fachlicher Rat zu gesetzlichen Vorschriften für die  Bienenhal­tung kann bei den zuständigen Veterinärämtern eingeholt werden.   

 

Verfasser:  Ute Wetzel, Chemnitz; Email: bienenfreundin@web.de

 Foto: Ute Wetzel