Auszüge aus der Chronik von Jahnsdorf

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Die Gründung von Jahnsdorf erfolgte in den Jahren 1170 - 1200 unter waldenburgischer Herrschaft. Der Waldenburger Feudalherr Hugo von Wartha beauftragte einen angesehenen Bauern- Lokator genannt, mit der Gründung eines Dorfes und jeder Bauer der angesiedelt wurde erhielt eine Hufe (ca. 20 ha) Land, die er roden musste und wo er später sein Haus errichtete. Nach dem Lokator wurde vermutlich auch der Ort benannt. Jahnsdorf- Dorf eines Jahn, ursprünglich hebräisch, später christlicher Taufname für Johannes.
Aus den verschiedenen Urkunden und Aufzeichnungen der laufenden Jahrhunderte sind auch verschiedene Schreibweisen überliefert. So zum Beispiel im Jahr 1415 Jandorff oder 1539 Jansdorff.
Aus dieser Zeit stammt auch die in der Ortsmitte gelegene Kirche, die älteste der Kirchenglocken stammt aus der Zeit 1280 - 1290. Jahnsdorf wurde als beidseitiges Waldhufendorf angelegt. Im Jahre 1412 wurde Jahnsdorf Eigentum des Benediktinerklosters zu Chemnitz und aus dieser Zeit stammt auch die erste noch vorhandene Urkunde (Urkundenbuch Chemnitz). Von der Zugehörigkeit zum Kloster Chemnitz an mussten die Jahnsdorfer Abgaben an das Kloster erbringen und Frondienste leisten.
Bereits im 15.-16. Jahrhundert besaßen die Bürger von Jahnsdorf gegenüber anderen eine Sonderstellung. Bewohner anderer Orte mussten, wenn sie nach Chemnitz wollten, am Stadttor Zoll entrichten. Jahnsdorfer dagegen durften es zollfrei passieren. Ähnlich verhielt es sich mit dem Brauzins. Von dieser Art der Abgabe war Jahnsdorf seit Bestehen der Brauerei um 1240 befreit. Jahnsdorf lag damals in der Bannmeile von Chemnitz und das bedeutete, dass sich hier kein Bauer oder Schankwirt ohne Genehmigung des Klosters niederlassen durfte.
Im Ort gab es damals schon einen Schlächter, einen Schmied und drei Böttcher, je zwei Schneider, Schuster, Leineweber, Wagner, Stellmacher und Bäcker. Gleichzeitig gewährte man dem Dorfrichter Brot zu backen und zu verkaufen. Der Gastwirt von Jahnsdorf besaß das Braurecht. Es gab zwei Mühlen im Dorf. Die eine Mühle (Schneide- und Oelmühle mit zwei Gängen) befand sich am unteren Ende des Ortes an der Würschnitz. Die andere (mit einem Gang) befand sich in der Dorfmitte im Lehngericht und wurde vom Wasser der damaligen Teiche (heute Norma- Markt) und deren Überläufe betrieben.
Den Chemnitzer Zunften gefiel dieses blühende Handwerk nicht. So gab es 1522 einen Aufstand der Chemnitzer, der sich gegen die Handwerker in der Bannmeile richtete. In Jahnsdorf traf es vier Schuster, denen die Gerätschaften zerschlagen wurden. Aber auch andere Handwerker blieben nicht verschont.
Im Bauernkrieg 1525 waren auch Bauern aus Jahnsdorf beteiligt. Unter den Aufständischen im Amt Wolkenstein wird ausdrücklich ein Hans Friedel aus Jahnsdorf erwähnt.
1540 erfolgte die Auflösung des Benediktinerklosters in Chemnitz. Im Urkundenbuch Nr. 491 von Chemnitz ist für den 22. Dezember 1544 zu lesen, dass der Abt Hilarius dem Rate der Stadt Chemnitz Jahnsdorf nebst anderen Klosterdörfern verkaufte. 1604 wurden in der Jahnsdorfer Kirche eine große Reparatur durchgeführt, sowie die Emporen und der Predigtstuhl errichtet. Sechs Jahre später zerstörte ein Blitzschlag das Kirchendach fast vollständig. 1629 wurden die Friedhofsmauern instandgesetzt. 1660 wurde beschlossen, die Kirche abermals einer großen Reparatur zu unterziehen. Ein Jahr später erhielt die Gemeinde hierzu erste Bauzuschüsse aus der Ephorie Annaberg. 1688 entstand ein neues Pfarrhaus. 1751 wurde die erste Orgel fertig gebaut. 1763 begann die Strumpfwirkerei in Jahnsdorf mit 21 angesiedelten Strumpfwirkern.
In der Literatur war damals über Jahnsdorf zu lesen: “....... es liegt in einem milden, freundlichem Tale, dessen Abhänge und hohen Gärten, Acker, Laub- und Schwarzholz waren. Die geschützte Lage war und ist sehr günstig für den Obstbau. Diesen förderten besonders zwei Pfarrer durch Anpflanzungen edler Obstgehölze........“ . Im Kirchensiegel war zu dieser Zeit auch ein Obstbaum. 1784 wurde wieder ein neues Pfarrhaus gebaut. Es wurde als eines der ersten Häuser im Ort mit Schiefer gedeckt.
Das Lehngericht war eines der größten und schönsten Güter in Sachsen. Zu ihm gehörten u.a. ein Schankhaus und eigene Tagelöhnerhäuser hinter dem Mahlteich gelegen.
1832 verabschiedete der sächsische Landtag das „Gesetz der Ablösung“. Dieses Gesetz gab den Bauern die Möglichkeit, sich von ihrem Fronherren loszukaufen. Die Jahnsdorfer mussten ihre Ablösung an den Rittergutsbesitzer von Neukirchen zahlen. Da aber keiner soviel Geld hatte, gründeten sich die ersten Landrentenbanken. Die erste Bank in Jahnsdorf befand sich im Forsthaus, heute Meinersdorfer Straße 10.
1841 zählte man in Jahnsdorf bereits 1521 Einwohner, die in 40 Bauerngütern, 90 Häuslerwohnungen und 10 Gärtnerwohnungen lebten. 1876 wurde die jetzige Grundschule gebaut und eingeweiht. 1878 wurde die erste Strumpffabrik gegründet. 1883 wurde die Feuerwehr Jahnsdorf gegründet. Am 1. Juni 1887 öffnete die erste Postagentur in Jahnsdorf und damit werden erstmals Landpostfahrten nach Neukirchen und zurück durchgeführt. Im Jahr 1895 wurde durch den Strumpffabrikanten Köhler eine Armenkasse gebildet. Am 1. Oktober 1895 wurde die Eisenbahnstrecke Chemnitz-Stollberg dem allgemeinen Verkehr übergeben. In dieser Zeit gab es im Ort eine rege Bautätigkeit. Im Gasthof „Felsenkeller“ (heute NORMA) wurde im ersten Stock ein Saal mit Bühne ausgebaut, der Teich vor dem Gasthof verfüllt und das alte Spritzenhaus abgerissen. Und hinter dem Gasthof wurde eine Schießhalle des bürgerlichen Schützenvereins erbaut.
1905 wird das Bezirksstift gebaut (heute Pflegeheim Pro Civitate). 1909 errichtete man auf dem Friedhof eine Kapelle.
Von 1907 bis 1928 betrieb Jahnsdorf ein eigenes Elektrizitätswerk zur Gleichstromversorgung des Ortes (erst mit Wasser- später mit Motorkraft).
Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, wurden 1300 Jahnsdorfer Bürger zum Kriegsdienst einberufen. 121 von ihnen kehrten nicht zurück.
1919 beschloss man an den Straßenrändern Obstbäume zu pflanzen. Ab 1921 diente die Villa der Familie Sonntag dem Gemeinderat als Verwaltungsgebäude und Rathaus des Ortes.
Zur Wahl 1924 bildeten die bürgerlichen Parteien die Mehrheit im Gemeindeparlament. Sehr viel Wert legte man in dieser Zeit auf die Jugendarbeit. Eine ehemalige Fabrik wurde für diese Zwecke zum Jugendheim umgebaut (heute Straße der Jugend 2) und eine Volks- und Schulbücherei wurde eingerichtet. Erstmalig erhielten die Straßen des Ortes eine Steinpflasterung und gleichzeitig erfolgte eine Verbreiterung.
1927 wurde der Anbau der Schule eingeweiht. Zu dieser Zeit besuchten 430 Kinder und 200 Fortbildungsschüler den Unterricht.
1937 wird das Freibad eingeweiht. 1941 erfolgt die Regulierung des Bachlaufes der „Würschnitz“.
1945 fallen 4 Bomben auf Jahnsdorf und zerstören dabei Gebäude (Peger und Kreher). Ihr eigentliches Ziel, die Jahnsdorfer Strumpffabriken von J.W. Köhler verfehlten sie.
Im August 1945 gibt es ein großes Hochwasser, welches den Bahnverkehr zwischen Chemnitz und Stollberg für längere Zeit unterbricht. 1948 wird der Kindergarten an der Stollberger Straße eingeweiht (heute Pension „Sonnenschein“). 1955 wird die bis dahin ortstypische Strumpfindustrie in die bis 1990 bestehende Trikotagenindustrie umgewandelt. 1957 erfolgt die Kollektivierung der Landwirtschaft. 1978 wird der neue Kindergarten am Sportplatz eingeweiht. 1989 wird das rekonstruierte Feuerwehrdepot eingeweiht.
1990 bricht der größte Teil der Textilindustrie von Jahnsdorf zusammen.