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Stellungnahme zu den Ereignissen vom 10.12.

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Stellungnahme der Gemeinde Jahnsdorf/Erzgeb.
zu den Ereignissen am 10. Dezember 2015 vor der Gemeinschaftsunterkunft „Containeranlage Pfaffenhain“
Am Donnerstagabend der letzten Woche erreichte uns ein zweiter Bus mit asylsuchenden Personen, welche für die Gemeinschaftsunterkunft Pfaffenhain – aber auch für die Unter-künfte in Niederdorf und Thalheim – vorgesehen waren. Nachdem ein erster Bus am frühen Nachmittag unversehrt die Gemeinschaftsunterkunft anfahren konnte, wurde dieser zweite Bus von gewaltbereiten Personen von außen attackiert und mit Gegenständen – in jedem Fall mit Feuerwerkskörpern – angegriffen und beworfen.Aus diesem Bus sollten 12 asylsuchende Personen in die Gemeinschaftsunterkunft Pfaffenhain einziehen, so dass insgesamt ca. 50 Personen in der letzten Woche in unserer Gemeinde untergebracht werden sollten und auch untergebracht worden sind.
Nachdem dieser Bus beschädigt worden ist und auch Insassen verletzt worden sind, wurde der Bus gegen einen unversehrten Bus ausgetauscht. Mit diesem wurden die betreffenden asyl-suchenden Personen mit den Flüchtlingen, die auch für die anderen genannten Einrichtungen vorgesehen waren, zunächst aus der Gefahrenzone verbracht. Dass man als Businsasse nach solchen Angriffen eingeschüchtert ist, den Bus zu verlassen, dürfte auf der Hand liegen. Später wurden die für die Containeranlage Pfaffenhain zugewiesenen Personen auch wieder nach Pfaffenhain gebracht, so dass diejenigen Flüchtlinge, die für diese Anlage vorgesehen waren, auch dort eingezogen sind.
Natürlich gibt es immer wieder Flüchtlinge, die sich aufgrund anderer Vorstellungen andere Unterbringungsverhältnisse wünschen. Mittlerweile sind sämtliche Flüchtlinge, welche letzten Donnerstag in die Unterkunft einziehen sollten, auch dort eingezogen und in unserer Gemeinde angemeldet wurden.
Durch diese Angriffe verursachten die gewaltbereiten Personen Sachschaden am Bus und leichte Personenschäden beim Busfahrer, beim Sicherheitspersonal und einem Asylbewerber. Wenn vor allem im Internet Fotos von einem unversehrten Bus zu sehen sind, dann handelt es sich um den Austauschbus nach den Anschlägen. Im Übrigen wollen wir die laufenden Untersuchungen der Ermittlungsbehörden abwarten. Denn wir alle möchten ja, dass diese Vorkommnisse geahndet werden und dass Ermittlungserfolge entsprechend eintreten.
Im Namen unserer Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Jahnsdorf/Erzgeb. mit ihren Ortsteilen Jahnsdorf, Leukersdorf, Seifersdorf und Pfaffenhain distanziere ich mich gegen derart feige Übergriffe und verurteile diese Attacken gegen Menschen, unabhängig woher und weswegen sie zu uns kommen, entschieden.
Am letzten Freitag, dem 11.12.2015, haben sich die Medien aus ganz Deutschland für die Vorkommnisse in Jahnsdorf interessiert und in der folgenden Zeit teilweise reißerisch darüber berichtet. Derartige Ereignisse werden gern von den Medien aufgegriffen und in einer überzogenen Art und Weise dargestellt. Durch diese Vorkommnisse hat unsere Gemeinde einen empfindlichen Schaden genommen. Seit diesem Freitag erreichte mich eine Vielzahl von E-Mails aus ganz Deutschland, welche ein großes Maß an Schmähkritik und Verachtung beinhalteten. Die darin geäußerten Vorwürfe und Beschimpfungen machen mich traurig und wütend. Wütend über diejenigen, die diesen Schaden unsere Gemeinde zugefügt haben. Der Schaden ist jedenfalls nicht durch die ankommenden Flüchtlinge entstanden, sondern durch diejenigen, die mit Gewalt und Hass diesen Menschen und damit auch uns allen gegenübertreten und durch ihr Verhalten und ihre Taten diese Situation erst verursacht haben.
Wir haben in unserer Gemeinde mit einem Großteil unserer Bürger in den letzten Wochen viel erreicht. Trotz der meist friedlichen Proteste gegen die Asylpolitik und der Tatsache der Einrichtung einer Gemeinschaftsunterkunft hat sich ein Helferkreis mit über 50 Personen etabliert. Ich bin sehr dankbar, dass es Mitmenschen unter uns gibt, ob sie nun dem christlichen Glauben angehören oder nicht, die einfach ihre Menschlichkeit zeigen und anderen Menschen helfen. Diese Hilfe findet bereits jeden Tag statt, sei es durch Sprachkurse, durch Kleiderspenden oder durch einfache Hilfe beim Einkauf.
Ich möchte daher alle Bürgerinnen und Bürger bitten, nach ihren Möglichkeiten einfach einen kleinen Beitrag – und sei es durch eine menschliche Geste – zu leisten und damit zu helfen, dass genau das Gemeindebild gezeigt wird, wofür die Gemeinde Jahnsdorf/Erzgeb. steht und bekannt ist, nämlich eine liebenswerte und lebenswerte Gemeinde!
Wir haben in den letzten Jahren gemeinsam mühevoll eine wirklich schöne Gemeinde und damit eine funktionierende Gemeinschaft aufgebaut. Durch solch einen Angriff von einer Handvoll gewaltbereiter und hasserfüllter Personen wurde unserer Gemeinde Schaden zugefügt!
Ich möchte Sie daher alle dazu aufrufen, sich in der Ihnen möglichen Form und nach Ihren Möglichkeiten von Gewalt und Fremdenfeindlichkeit zu distanzieren. Ich bin entsetzt und erschüttert, wie aggressiv und ohne Hemmungen auf andere Menschen losgegangen werden konnte.
Ich nehme mir momentan (zwangsläufig) sehr viel Zeit, bin viel in unserer Gemeinde unterwegs und führe sehr viele Gespräche mit Bürgern und Handwerkern. Bitte kommen Sie auf mich zu, wenn Sie das Gespräch wünschen – lassen Sie uns gemeinsam unsere Gemeinde zeigen und repräsentieren, wie sie wahrhaftig ist und nicht wie sie in Sachsen und Deutschland aufgrund der letzten Woche bekannt geworden ist.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien besinnliche und frohe Weihnachten und einen guten Start in das neue Jahr!